Handlungskompetenz im Brandfall

Brandschutzseminar für Schüler und Mitarbeiter des BRK
Dienstag, 08. Juli 2014 um 00:00 Uhr
Der Brandschutz in Pflegeeinrichtungen hat beim BRK-Kreisverband Bayreuth einen hohen Stellenwert. AlljÀhrlich werden seit 2007 je zwei Klassen der BRK Schulen (Altenpflege) und die BRK-Mitarbeiter in einem zweitÀgigen Seminar mit den Besonderheiten des Brandschutzes in Pflegeeinrichtungen vertraut gemacht.

Die Notwendigkeit hierfĂŒr ergibt sich aus den immer wieder der Presse zu entnehmenden BrĂ€nden in Senioreneinrichtungen wie Pflegeheimen oder Einrichtungen des Betreuten Wohnens. Die ArbeitsstĂ€ttenverordnung fordert ĂŒberdies ausdrĂŒcklich, dass mindestens 5 Prozent der BeschĂ€ftigten eines Unternehmens regelmĂ€ĂŸig fachkundig zu unterweisen sind. Neben theoretischen Inhalten sind auch praktische Inhalte wie im der Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen gefordert.

Auch im hiesigen Leitstellenbereich Bayreuth/Kulmbach kommt es immer wieder zu Brandereignissen, in den rund 60 stationĂ€ren Pflegeeinrichtungen kommt es durchschnittlich zu etwa zwei BrĂ€nden pro Jahr. Auch die Einrichtungen des BRK-Kreisverbandes Bayreuth blieben vor BrĂ€nden nicht verschont. Im Jahr 2007 kam es im Keller des ehemaligen Ruhesitzes in Laineck zu einer Rauchentwicklung im Keller, die damals von einem Töpferofen ausgelöst wurde. Zum neuen Ruhesitz in der Dr.-Franz-Straße musste die Feuerwehr seit dessen Eröffnung zweimal aufgrund angebrannten Essens in GemeinschaftskĂŒchen alarmiert werden , nachdem hier die Brandmeldeanlage zuverlĂ€ssig ausgelöst hatte. Allesamt gingen glimpflich und ohne Verletzte aus, nicht zuletzt wegen dem sehr gut geschulten Personal. Das letzte Ereignis betraf im Jahr 2011 das Betreute Wohnen in der Peter-Rosegger Straße in Bayreuth. Hier kam es in einer BewohnerkĂŒche zu einem Zimmerbrand, der dank dem schnellen Eingreifen der BetreuungskrĂ€fte und der Feuerwehr Bayreuth schnell eingedĂ€mmt werden konnte. Die Bewohner wurden noch vor Eintreffen der Feuerwehr durch die geschulten Mitarbeiter gerettet. Die Einrichtungsleiterinnen Ursula Vogel, Irmtraud Stahlmann und Hausmeister Markus Peetz wurden dafĂŒr 2013 von MinisterprĂ€sident Horst Seehofer in MĂŒnchen mit der Lebensrettungsmedaille geehrt. Sie hatten gemeinsam rund 30 Bewohner im Brandgeschoss evakuiert und in der Cafeteria in Sicherheit gebracht. Einige Bewohner erlitten durch den Brandrauch leichte Rauchgasvergiftungen.

„Eine belastbare Zahl ĂŒber BrĂ€nde in den rund 11.000 bundesweiten Pflegeeinrichtungen lĂ€sst sich nur schwerlich exakt belegen“, so Markus Ruckdeschel, Leiter der Integrierten Leitstelle Bayreuth/Kulmbach, in seinem achtstĂŒndigen Unterricht. „In Fachkreisen geht man von zirka 50-60 dokumentierten BrĂ€nden in Pflegeheimen in Deutschland, nahezu einem pro Woche, aus. Die vermutete Dunkelziffer liegt indes deutlich höher. Die ĂŒber die BundeslĂ€nder hinweg einheitliche Erfassung gestaltet sich schwierig, da ein Zimmerbrand in einem Altenheim nicht zwingend in der Statistik als solcher zu erkennen ist und viele Beinaheereignisse nicht zwingend zu einem dokumentierten Einsatz der Feuerwehr fĂŒhren.“ In der Mehrheit der FĂ€lle entstehen die BrĂ€nde in den Bewohnerzimmern durch technische Defekte oder offenes Feuer wie Zigaretten oder Adventsgestecke, weiß Markus Ruckdeschel durch Auswertung von Zeitungsberichten. Im Vergleich zu einem Einfamilienhaus finden sich in Senioreneinrichtungen tendenziell deutlich mehr ElektrogerĂ€te pro bewohnbarer QuadratmeterflĂ€che. Somit steigt auch das potentielle Brandrisiko an. Immobile Patienten und die Besonderheiten der Bewohner im Alter, zum Beispiel zunehmende Vergesslichkeit bis hin zur Demenzerkrankung, begĂŒnstigen das Auftreten und die Ausbreitung und somit die Folgen eines Brandes.

Aus Sicht der BrandschĂŒtzer ist es notwendig, dass bereits der vorbeugende Brandschutz ernst genommen wird und jede Einrichtung einen „Masterplan“ hat wenn es zu einem Brandereignis kommt. Dieser wird optimalerweise unter Einbindung der verschiedenen Fachbereiche in einer Einrichtung erarbeitet. Neben der Pflege ist hierbei auch die Haustechnik, die Einrichtungsleitung, die Hauswirtschaft und die Feuerwehr zu beteiligen. Oftmals kann durch das beherzte Eingreifen des geschulten Personals Schlimmeres verhindert und ein Entstehungsbrand noch gelöscht oder aber zumindest die betroffenen Bewohner in eine vor Feuer sichere und rauchfreie Zone gebracht werden, wie beweist das Beispiel des Betreuten Wohnens aus dem Jahr 2011 beweist. Man spricht hier von der Stockwerks- oder horizontalen Querevakuierung der primĂ€r vom Brand betroffenen Bewohner.

Neben dem baulichen ist der organisatorische Brandschutz die zweite wichtige SĂ€ule des prĂ€ventiven Brandschutzes. Mitarbeiter von Pflegeheimen sind fĂŒr die Feuerwehren eine wichtige Informationsquelle beim Eintreffen an der Einsatzstelle. Einsatztaktische Fragen wie z.B. wo brennt es genau, wie viele Bewohner befinden sich in der Einrichtung und welche Maßnahmen sind bereits veranlasst worden sind hierbei wesentliche Inhalte. Die Mitarbeiter mĂŒssen das Wissen um Konzepte und örtlichen Gegebenheiten ihrer Einrichtung zu jeder Tageszeit unter Stress abrufen können um handlungskompetent zu sein.
In Fachkreisen belegt, entwickelt sich der Brand einer achtlos weggeworfenen Zigarette binnen ca. 5 Minuten zu einem ausgewachsenen Zimmerbrand. Aus diesem Grund mĂŒssen die Einrichtungen noch vor Eintreffen der Feuerwehr die Weichen fĂŒr den weiteren Einsatzverlauf stellen und genau wissen, was im Notfall zu tun ist. Die Hilfsfrist fĂŒr Feuerwehren betrĂ€gt in Bayern 10 Minuten ab Eingang des Notrufes bei der Leitstelle via 112.

Neben dem theoretischen Teil der Schulung werden die Teilnehmer am zweiten Tag dank der UnterstĂŒtzung der Feuerwehren des Landkreises Bayreuth und der Stadt Bayreuth im praktischen Umgang mit Feuerlöschern und dem richtigen Ablöschen einer brennenden Person mittels Löschdecke individuell geschult.

VorfĂŒhrungen zur Brandgefahr bei FettbrĂ€nden und Druckgasflaschen wie Spraydosen rundeten das Seminar ab. Der BRK-Kreisverband Bayreuth bedankt sich bei den Feuerlöschtrainern aus Altenplos und bei den Ausbildern der Feuerwehr Abteilung Bayreuth Altstadt recht herzlich fĂŒr die alljĂ€hrliche UnterstĂŒtzung und bei seinen Mitarbeitern und SchĂŒlern fĂŒr das rege Interesse und die zahlreiche Teilnahme an diesem Angebot!















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